Artikel in der Thüringer Allgemeinen

26.08.2015:  

Berlin. Der morgige Tag könnte das Leben von Robert Hebestreit fundamental ändern. Obwohl in Kirchworbis im Eichsfeld aufgewachsen, ist er ein gebürtiger Greifswalder. Im Osten war die dortige Universitätsklinik die einzige, in der Diabetike- rinnen gebären konnten und sollten. Die Hansestadt hat der inzwischen 25-Jährige seither nie wieder gesehen.

Am Donnerstag öffnet seine Marke „Spitzenjunge“ ihre digitalen Pforten. Die 44 Modelle, die zunächst angeboten werden, lassen sich schwer beschreiben, weil es so etwas bisher hierzulande in den Läden nicht angeboten wird. Es handelt sich um Fetisch- und Spitzenunterwäsche für den Mann.

Das Wort Spitze übernimmt hier eine Doppelfunktion. Natürlich soll sie das Herausgehobene signalisieren, aber es geht auch um die edle Textilen, deren Produktionszentrum in Deutschland einst rund um Plauen lag. Die neue Firma arbeitet auch eng mit der „Dresdener Spitze“ zusammen.

Solche Produkte werden bisher nur in Australien und – natürlich – in den USA angeboten. Allerdings fängt „Spitzenjunge“ mit Preisen ab 20 Euro dort an, wo die überseeischen Konkurrenten aufhören.

Vor anderthalb Jahren hatte Hebestreit die Idee für sein Unternehmen. Allen, denen er davon erzählte, zeigte sich inte- ressiert bis begeistert. Aber keiner konnte die Rolle eines Investors mangels Euro-Masse übernehmen.

Aber da als die beste Reklame immer noch die Mund-zu- Mund-Propaganda funktioniert, suchte eines Tages Thomas Noack Kontakt zu Hebestreit. Der junge Mann stammt aus Lebien in Sachsen-Anhalt, arbeitet als Finanzberater und Existenzgründungen sind seine Spezialität. Im Februar wurde dann die Firma „Arthe Tex“ gemeinsam gegründet.

Die Resonanz war bisher positiv

Ihren Sitz hatte sie zunächst in Berlin-Weißensee genommen, um erst jetzt zu erfahren, dass dieser Stadtteil eine Mode- Geschichte hat. Das hängt auch damit zusammen, dass ein paar Häuser weiter die Kunsthoch- schule ihr Domizil hat und viele Gestalter-Absolventen dann in der Nähe blieben.

Hebestreit studierte nach dem Abitur in Leinefelde-Worbis Betriebswirtschaftlehre an der Berliner Humboldt-Universität, um sich dann aber für eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann zu entschieden. Momentan ist er aber immer noch als Management-Student an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin eingeschrieben. Wie viele Euro sie bereits in das Unternehmen gesteckt haben, plaudern Geschäftsführer und Investor nicht aus.

8800 Teile liegen zum Versand bereit. In einer Hinsicht kann sich der Firmenchef gelassen geben. Er arbeitet mit einer „Spitzen“-Schneiderei in Polen zusammen, die sich in jeder Hinsicht durch Flexibilität auszeichnet. Gibt es einen Ansturm oder eher Desinteresse: Hebestreit geht aus gutem Grund von ersteren aus, denn die Resonanz war bisher durchaus positiv, auch die von seinen Eltern im Eichsfeld. Sollte es gut laufen, dann sind wegen des deutschsprachigen Internet-Auftritts Österreich und die Schweiz sowieso im Boot. Europa könnte ein weiteres Ziel sein. Auf jeden Fall lockt sie der Markt in China.